Eigentlich glaubte ich zu Anfang es gäbe nicht viel über das Spielzeug zu sagen, aber der erste Blick kann bekanntlich täuschen. Nach einigen Tagen Betrieb gibt es ein kurzes Resume: Das Gerät funktioniert prinzipiell recht gut, die Modulation und die NF Wiedergabe ist um etliches besser als bei seinen Vorgängern. Trotz Tastatur ist das Gerät eine “Bedienungskrücke”. Wer mehr als einen Kanal programmieren möchte, womöglich mit Tx Ablage für Relaisbetrieb oder gar CTCSS dem rate ich, sich entweder schnell das zugehörige Programmierkabel für den PC zu besorgen oder alternativ ein Röhrchen Herztabletten aus der Apotheke. Die mitgelieferte Bedienungsanleitung ist so mies dass man sie getrost in den Müll verfrachten kann, mehr als das Menü am Gerät gibt auch diese nicht her. Einer der schlimmsten Wehrmutstropfen in meinen Augen ist, dass der Squelch über keinen Regler verfügt, d.h. Pegel der Rauschsperre über das Menü einstellen. Das ist eine wahre Zumutung, auch wenn der Programmierer noch versucht hat das miese Bediendesign zu retten indem er den Squelch als ersten Menüpunkt aufruft. Wer den 1750Hz Tonruf sucht ist auf probieren oder fragen angewiesen. In den ersten Bedienungsanleitungen blieb er unerwähnt. Also der Tonruf zum Relais auftasten: <PTT> und <Band> Tasten gleichzeitig drücken. Verblüffend gut funktioniert der eingebaute FM Radio, der allerdings ja auch meißt stärkere und wesentlich breitbandigere Signale präsentiert kriegt.

Die Empfindlichkeit des Empfängers für die AFU Bänder lässt schon ein wenig zu wünschen übrig. Signale die ich mit meinem Icom IC-2SRA (2m TRX + 30MHz-999MHz Breitband Rx - normal für den US Markt) noch sauber und deutlich hören konnte, vermochte das UV5R nicht mehr aus dem Rauschen zu filtern. (Fairer Weise muß ich sagen dass das IC-2SRA auch mal 250$ mehr gekostet hat) - Die Antenne.......wie soll ich sagen, also die mitgelieferte Antenne ist einfach nur Schrott, ein Fall für die Tonne, wenn sie auch von den schlechten Strahlungseigenschaften durchaus als Dummy Load durchgehen könnte, so ist sie aber noch nicht mal dafür zu gebrauchen da ihre Impedanz weitab von 50 Ohm real liegt. Mir hat sich nicht ganz erschlossen auf welchem Band man die Antenne in China resonant gebracht hat, nicht mithilfe meines Analyzers (MFJ-269 HF-VHF-UHF) Bei Reichelt gibt es unter der Bestellnummer “K514” einen Adapter SMA-Buchse --> BNC Buchse für 1,30€ Dieser erlaubt das aufstecken “guter” Gummiantennen aus dem Zubehörhandel. Es gibt bei den Händlern die das Baofeng vertreiben wohl auch alternative Gummiantennen, jedoch habe ich keine davon getestet. Ich hatte noch eine von meinem inzwischen verstorbenen ehrwürdigen C-500E das ja auch ein echter Duobander war und habe diese benutzt. (siehe Bild) Diese Antenne ist resonant und spielt einwandfrei. Zu erwähnen ist noch dass die Jungs in Fernost wohl irgendwie die Wärmeentwicklung der 5Watt HF im Westentaschenformat unterschätzt haben, weshalb sie eine softwareseitige Quasselsperre eingebaut haben. Wird der Durchgang zu lange, damit die Endstufe warm, unterbricht das UV5R plötzlich den Redeschwall des mitteilungsbedürftigen Funkamateurs indem es die Sendertastung abschaltet, fertig :D ....Die eingebaute superhelle LED als Schlüsselsucher oder Behelfstaschenlampe so wie den “unnötigwiekropf” Alarmsirenenpipser hatten ja die Vorgängermodelle auch schon eingebaut. Die Ladestation tut einwandfrei und der Akku hält bis jetzt recht zufriedenstellend durch. Es gibt inzwischen auch schon einen recht mächtigen Akku dazu der das Gerät zusätzlich um einige Zentimeter verlängert und viel Power und Ausdauer verspricht.

Programmieradapter:

Ein wesentlich leidigeres Thema stellt das Programmieradapter dar, dass die Freunde aus dem Land der Drachen und der aufgehenden Sonne da produziert haben. Ich vermute mal, einer der “Söhne Mao Tse Tungs” hatte als Muster ein Kenwood Handfunkkerät mit Programmierkabel zur Verfügung. Das Design ist äußerlich nur unwesentlich anders und von der Steckerbelegung identisch.

Hier links der verwendete Stecker des Programmieradapters, das hier leider genug Grund zur Beanstandung aufkommen lässt. Aufgefallen ist mir schon bei der von mir bestellten Version die nicht gerade überzeugende Tatsache dass ein auslesen des Gerätes oft erst beim zweiten oder dritten Versuch gelingt. Ebenfalls stutzig machte mich der Hinweis unbedingt die mitgelieferte Treiberversion zu verwenden obwohl sich das Adapter beim Rechner als normale USB-Serial Brücke der Firma Prolific meldet. (PL2303) Auf meinem PC, einem FX6100 (6 Core AMD) funktionierte es schlicht nicht. Auf meinem Laptop P4 2GHz tat es dann zum Glück. Zuerst machte ich mir keine großen Gedanken darum, obwohl es mich schon interessierte warum die aktuellen Treiber der Firma Prolific tatsächlich nicht funktionierten. Als dann mein Freund Andreas DO1SAR aus Kaisersbach das gleiche Adapter gekauft hatte, dieses nach 2 Minuten sehr heiß wurde und den ganzen USB Bus lahmlegte wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Das Adapter wurde seziert. Zum Vorschein kam ein kleines Platinchen mit dem Prolific Baustein, einem 12MHz Quarz (für USB2 nötig) ein paar Transistoren und Widerständen. Die Verarbeitung war mittelmäßig, die angelöteten Kabelenden verschmort weil wohl zu heiß verlötet und ein Stützkondensator vom Quarz fand sich in kleinen Stückchen im Gehäuse wieder. Die eigentliche Erkenntnis sollte aber noch kommen: Der USB Baustein ist eine chinesische Fälschung des PL2303 !!!

modified @ 16.08.2012 -DL4GAO-

Adapter von oben (l) und unten (r) gesehen. Die Großansicht bringt beidseitig ein paar Feinheiten ans Licht. (klicken) Der Adapter hätte auch mit intaktem Prolific PL 2303 niemals funktioniert.

Hier habe ich ein Prüfprogramm hinterlegt mit dem man feststellen kann ob irgendwo ein echter Prolific verbaut wurde. Es wird extra zu diesem Zweck von Prolific bereitgestellt.

Die Schaltung ist relativ simpel. Der PL-2303 wird ohne EEPROM zur externen Konfiguration eingesetzt und macht damit nichts anderes als eine USB zu seriell Wandlung. Die Anpassung an die 3.3V Pegel des Prozessors erfolgt ziemlich hemdsärmlig mit 4 Transistoren und ist vollkommen unnötig. Unten ist die Schaltung für neugierige abgebildet. Statt des MAX232 ist halt der “China-Prolific PL2303” verbaut.

Ein Aufbau (nicht gerade platzsparend ausgeführt) könnte etwa so aussehen. Wohlgemerkt könnte. Ich hab den nur zum Test aufgebaut und es funktioniert genauso unzuverlässig wie das Original. Die Ursache war aber mit Oszi recht gut zu finden. Die Beschaltung der Transistoren ist so schlecht dimensioniert dass keine Flanke und Kante des Signals heil bleibt. Also dacht ich mir das muß anders auch gehen. Da die Schaltung ja die Signallage nicht ändert, habe ich in die Rx und Tx Leitung des Baofeng je einen 1K Widerstand gehängt und direkt an den Konverterbaustein angeschlossen. Siehe da, Erfolg. Kein Problem das Baofeng auszulesen und zu beschreiben. Ok, wenns mit dem MAX232 an der Com Schnittstelle geht, sollte es auch mit einem USB-TTL Konverter wie ich sie für meine ATM7 benutze auch gehen. Ich habe kürzlich ne handvoll solcher Dinger bei ner Firma in UK bestellt, unter 4€ das Stück mit einem Baustein von SILabs drauf. Ich habe eines angeschlossen und es funktionierte auf Anhieb so gut wie mit dem MAX232. Fazit: Die chinesischen Freunde haben sich mit dem gefälschten Prolific und den unnötigen Transistoren dahinter ein Eigentor geschossen. Datenblatt des PL2303

Dies sind die beiden Platinchen mit denen ich das Baofeng getester hab. Oben Com->TTL unten USB->TTL. Den unteren Konverter gabs zum Zeitpunkt der Seitenerstellung noch hier. Der MAX232 oben kommt übrigens nicht ohne die 4 C´s für die Ladungspunpe aus, die sind unten als SMD drauf.

Und so sieht die original Platine aus dem Programmieradapter aus nachdem ich dien PL2303 runter gelötet habe. Man kann hier sehr gut die Schaltung nachvollziehen. Da der Baustein hier in der Standard Konfiguration verwendet wird, müßen CTS-RTS DTR DSR usw. gebrückt sein, da er HW Handshake erwartet.